Geschichte des Hirschpark Luzern

Der Hirschpark Luzern hat eine jahrhundertealte Geschichte; sie greift bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Abb. a1Abb. a1Der Burggraben um die Kleinstadtumwallung war ursprünglich ein breiter offener Wassergraben, der vom Freienhof bis unterhalb der Spreuerbrücke reichte (Abb a1/a2).  Diesen Festungsgraben, der unter dem heutigen Hirschengraben lag legte man 1613/14 trocken (Abb b). Der Rat wusste dem vermutlich prosaischen Aussehen des nunmehr leeren, breiten Stadtgrabens "zur Ergötzung von Jung und Alt" durch Belebung mittels einer Damhirschkolonie zu begegnen, was für grosses Aufsehen auch im Ausland sorgte. In einer literarischen Ausgabe eines Strassburger Schriftstellers wurden 1623 als Besonderheit die Luzerner "Damhirtzen" hervor gehoben - also durchaus eine touristische Attraktion, schon damals.

Abb. a2, Ausschnitt aus dem Schumacherplan 1792Abb. a2, Ausschnitt aus dem Schumacherplan 17921665 schenkte die Stadt St. Gallen den Luzernern zwei Hirschkühe. Später, so liest man, kamen noch Hirsche aus Basel, Bremgarten und Kreuzlingen dazu.

Im Gletschergarten Luzern steht ein grosses Stadtmodell, dem der Schumacherplan 1792 (Abb. a2) zu Grunde liegt. Darin sind die von den damaligen Hirschen besiedelten Grabenanlagen, gut zu sehen. Neben dem ehemaligen Baslertor stand das 1783 prunkvoll aus Schmiedeisen erneuerte Hirschengrabentor, bekrönt mit einem vollplastischen Hirschen (Abb. c1/c2).

1855 planierte man die Grabenanlagen und verwendete das Tor, statt mit dem Hirschen mit dem Luzerner Wappen, als Eingangspforte zum damaligen neuen Stadthaus, dem heutigen Amtsgericht am Löwengraben 2 (Abb d).

Abb. bAbb. bAbb. c1Abb. c1Gemäss einer Sepiazeichnung um 1840 lebten damals im Stadtgraben beim ehemaligen Bruchtor offensichtlich Rothirsche (Abb.e).

1860 wurde der letzte Teil des Hirschen-Grabens vom Spital zum "Freyenhof" aus "städtebaulichen Gründen" zugeschüttet. Die Stadt verzichtet vorübergehend auf eigene Gehege mit Hirschen. Privat wurden jedoch im damals neuen Gletschergarten Hirsche und gar Gämsen gehalten. Auch gab es kurze Zeit einen alpinen Wildpark am Gütsch, der sich dort so nicht halten konnte.

Abb. c2Abb. c2Der Abbruch des Gaswerks 1899 gab der Stadt wieder ein passendes Areal an der heutigen Hirschmattstrasse und im "Vögeligärtli", wo auf Anregung der Ornithologischen Gesellschaft der Stadt Luzern OGL nebst einer neuen Hirschanlage auch eine grosse Volière entstand.

Damhirsche, Rothirsche und Axishirsche lebten sodann wieder in Luzern. Deren Verwaltung oblag der OGL.

Das nun immer begehrtere Bauland im Hirschmattquartier führte dazu, dass nach einem neuen, dauerhafteren Standort für den Hirschpark gesucht werden musste.

Abb. dAbb. d

Für die Verlegung des Hirschgartens, bzw. die Umwandlung desselben in einen Hirschpark hat die städtische Baudirektion 1905 ein Projekt auf der Reussporthöhe ausgearbeitet.

1906 war es soweit: Der neue Hirschpark auf Reussport war bezugsbereit. Edel- und Damhirsche dislozierten; neu kamen Sikahirsche aus Ostasien und Axishirsche dazu, deren Haltung in späteren Jahren jedoch wieder aufgegeben wurde.

Abb. eAbb. e

Seit 1966 ist das Areal um 17.6 Aren gegen das Kantonsspital hin auf 65 Aren erweitert. Darin leben heute zwischen 20 und 30 Wildtiere in 2 Rudeln, Damhirsche und Rothirsche.

1986 wurden erneut umfassende Gehegerenovationen vorgenommen.

2006 erstellte das Wärterteam einen "Kälberschlupf", um den jährlichen kleinen Kälbern genügend Futter zu sichern und um ihnen gelegentlich Zusatzfutter oder Entwurmungsmittel zu verabreichen.

Quellennachweis:
Mugglin, F. (1981). 100 Jahre Ornithologische Gesellschaft der Stadt Luzern, 1881 - 1981.
Seiten 28 - 31, Abbildungen 8 und 9.

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